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Investieren lernen

Was tun, wenn der Markt fällt? (Und warum nicht verkaufen)

13. August 20266 Min. Lesezeit
Was tun, wenn der Markt fällt? (Und warum nicht verkaufen)

Du öffnest deine App, schaust auf dein Depot und siehst -20 %. Dein Herz setzt kurz aus. Deine Gedanken überschlagen sich:

„Ich muss verkaufen, bevor ich alles verliere."

Stopp. Genau das ist der Moment, in dem die meisten Menschen den größten finanziellen Fehler ihres Lebens machen.


Was bedeutet es, wenn „die Märkte crashen"?

Wenn wir sagen, „der Markt crasht", meinen wir: Aktien- und Fondskurse fallen. Anleger unterteilen diese Rückgänge nach ihrer Größe:

BezeichnungRückgangWas es bedeutet
Dipbis zu -10 %Normal, passiert mehrmals im Jahr
Korrektur-10 % bis -20 %Unangenehm, aber normal
Bärenmarkt-20 % oder mehrGrößerer Rückgang, kann Monate dauern
Crash-30 % oder mehr, schnellPanik, Weltuntergangsstimmung in den Nachrichten

Diese Einteilung folgt den gängigen Definitionen: Ein Rückgang von etwa 10 % bis 20 % gilt als Korrektur, ein Rückgang von 20 % oder mehr als Bärenmarkt (Markttrend, Wikipedia).

Das Wichtigste, was du verstehen musst:

All diese Situationen sind ein völlig normaler Teil des Investierens. Sie sind immer passiert und werden immer wieder passieren.


Wie oft fallen die Märkte wirklich?

In den letzten 50 Jahren ist der US-Leitindex S&P 500 immer wieder tief in Bärenmarkt-Territorium gefallen — und danach jedes einzelne Mal wieder gestiegen und auf neue Höchststände geklettert:

EreignisZeitraumRückgang (S&P 500)
Ölkrise1973–1974rund -48 %
Dotcom-Blase2000–2002rund -49 %
Finanzkrise2007–2009rund -57 %
Corona-Crash2020rund -34 %
Zinswende2022rund -25 %

Quellen: S&P 500 Drawdown-Historie, DQYDJ; Liste der Börsencrashs und Bärenmärkte, Wikipedia.

Rückgänge sind keine Ausnahme. Sie sind ein normaler Teil des Spiels.

Wenn du -20 % auf deinem Depot siehst, erinnere dich an diese Tabelle. Jede Zeile war einmal die Schlagzeile des Tages — und jede einzelne endete mit einer Erholung.


Warum wir den Drang verspüren zu verkaufen

Unser Gehirn hilft uns nicht

Die Evolution hat uns auf Überleben programmiert. Siehst du eine Gefahr, löst dein Gehirn den „Flucht"-Reflex aus.

Das Problem: Dein Gehirn unterscheidet nicht zwischen einem Tiger und einer roten Zahl in einer App. Es sieht -25 % und schreit: „Rette dich! Verkaufe!"

Verluste schmerzen mehr

Psychologen haben herausgefunden, dass der Verlust von 1.000 € etwa doppelt so stark schmerzt, wie der Gewinn von 1.000 € sich gut anfühlt. Das nennt man Verlustaversion — ein gut belegter Befund der Verhaltensökonomie, bei dem Verluste etwa doppelt so stark wahrgenommen werden wie gleich große Gewinne (Verlustaversion, Wikipedia). Wir hassen es schlicht, zu verlieren.

Deshalb fühlt sich ein Rückgang von 20 % viel intensiver an als ein Anstieg von 20 %. Und deshalb verspürst du diesen starken Drang, „den Schmerz zu stoppen".


Was passiert, wenn du verkaufst

Ein illustratives Beispiel: Julia und Max

Die Zahlen unten sind ein vereinfachtes Beispiel, aber die Marktbewegungen dahinter sind real. Julia und Max investieren im Januar 2020 jeweils 10.000 € in einen breit gestreuten Aktien-ETF (S&P 500). Im März trifft Corona die Märkte, und die Kurse fallen vom Februar-Hoch aus um rund 34 %. Beide liegen auf dem Papier bei rund -3.400 €.

Julia gerät in Panik und verkauft nahe dem Tiefpunkt — sie realisiert den Verlust und bleibt in Cash. Max fühlt sich auch nicht gut, tut aber nichts.

Ende 2020? Der S&P 500 schließt das Jahr tatsächlich rund 18 % im Plus (Gesamtrendite mit reinvestierten Dividenden — S&P-500-Rendite 2020, DQYDJ). Max, der durchgehalten hat, landet bei rund 11.800 €, während Julia, die am Tiefpunkt verkauft hat und draußen geblieben ist, bei rund 6.600 € feststeckt.

Gleiche Anlage, gleicher Rückgang — aber eine Lücke von rund 5.200 €, verursacht durch eine einzige Entscheidung.

Warum ist der Unterschied so groß?

Solange du nicht verkaufst, hast du nichts verloren. Die -3.400 € sind nur eine Zahl auf dem Bildschirm — man nennt das einen Buchverlust. Du besitzt weiterhin die gleiche Anzahl an Anteilen.

In dem Moment, in dem du verkaufst, wird aus dem Buchverlust ein realer Verlust. Das Geld ist weg und kommt nicht zurück.

Warren Buffett hat genau diesen Punkt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise 2008 gemacht. In einem Gastbeitrag für die New York Times erklärte er, warum er kaufte, während alle anderen verkauften, und brachte seine Regel auf einen Satz:

„Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind."

— Warren Buffett, „Buy American. I Am.", The New York Times, Oktober 2008 (vollständiger Gastbeitrag, englisch)


Was du TUN solltest, wenn die Märkte crashen

1. Nichts (ernsthaft)

Die beste Strategie ist häufig, absolut gar nichts zu tun.

Läuft dein ETF-Sparplan automatisch, lass ihn einfach weiterlaufen. Du kaufst gerade tatsächlich günstiger ein.

2. Schließ die App

Je weniger du hinschaust, desto besser schläfst du. In turbulenten Zeiten empfehle ich, dein Depot höchstens einmal im Monat zu checken.

3. Erinnere dich an deinen Plan

Investierst du für den Ruhestand in 30 Jahren? Sparst du für eine Immobilie in 10 Jahren?

Nichts davon hat sich geändert, nur weil der Markt diesen Monat gefallen ist. Dein Anlagehorizont zählt in Jahren, nicht in Tagen.

4. Vielleicht sogar nachkaufen

Wenn etwas im Ausverkauf ist und du langfristig daran glaubst, ist das eine Chance — genau das Prinzip hinter Cost-Average-Effekt und Sparplan.

Stell dir ein iPhone für 1.000 € vor. Plötzlich gibt es 30 % Rabatt. Sagst du „super, das kaufe ich" oder „da stimmt etwas nicht, ich warte, bis es wieder teurer wird"?

Bei Aktien machen viele Menschen Zweiteres. Was keinen Sinn ergibt.


Fazit

Crashs machen Angst. Aber hier ist die Wahrheit:

Der größte Feind eines Anlegers ist nicht der Börsencrash. Es ist die eigene Panik.

Menschen, die langfristig profitieren, sind nicht die Klügsten. Es sind die, die still sitzen und nichts tun können, während alle um sie herum in Panik geraten. Wer daran zweifelt, ob Aktienmärkte überhaupt langfristig weiter steigen, findet die Datenlage in Steigen Aktien immer?.

Wenn du rote Zahlen siehst, erinnere dich:

  • Solange du nicht verkaufst, hast du nichts verloren
  • Märkte haben sich bisher immer erholt
  • Dein Anlagehorizont zählt in Jahren, nicht in Tagen

Dann schließ die App und lebe dein Leben.


Fragen? Schreib mir an dennis.vymer@myfinancialfreedomtracker.com.

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