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Investieren lernen

Steigen Aktien immer? Die überraschende Wahrheit

13. August 20265 Min. Lesezeit
Steigen Aktien immer? Die überraschende Wahrheit

Du hast das bestimmt schon mal gehört:

"Aktien bringen im Schnitt 10 % Rendite pro Jahr."

Ja, das stimmt. Und gleichzeitig ist es sehr irreführend.

Reden wir darüber, was wirklich dahintersteckt — ohne Fachchinesisch und Anlage-Nebel.


10 % pro Jahr? ... Nur auf dem Papier

Stell dir ein Krankenhaus vor.

Die Durchschnittstemperatur aller Patienten liegt bei 37 °C. Klingt gut, oder? Nur hat einer 40 °C Fieber, und der andere ist... tot.

Der Durchschnitt stimmt. Die Realität nicht.

Und genau so funktionieren Aktien.

Ja, US-Aktien (S&P 500) haben in den letzten 100 Jahren im Schnitt rund 10 % pro Jahr gebracht. Aber weißt du, wie oft die Jahresrendite tatsächlich zwischen 8 und 12 % lag?

Nur 8 von 100 Jahren.

Meistens sieht es eher so aus:

JahrRendite
1933+54 %
1995+38 %
2008-37 %
2022-18 %

Ein Jahr fühlst du dich wie ein König. Im nächsten willst du am liebsten alles verkaufen.

Das ist völlig normal.

(Diese Zahlen stammen aus dem US-Markt, S&P 500 — die längste öffentlich verfügbare Datenreihe. Für den deutschen Markt gilt dasselbe Prinzip, siehe DAX weiter unten.)


Je länger du hältst, desto weniger Stress

Jetzt kommt der wichtige Teil.

Schau dir an, wie deine Gewinnchance steigt, wenn du einfach investiert bleibst:

HaltedauerGewinnwahrscheinlichkeit
1 Tag53 % (Münzwurf)
1 Jahr74 %
5 Jahre88 %
10 Jahre95 %
20 Jahre100 %

Ja, du hast richtig gelesen.

In den letzten 100 Jahren gibt es keinen einzigen 20-Jahres-Zeitraum, in dem du mit dem S&P 500 Geld verloren hättest.

Kriege, Krisen, Blasen, Corona... Alles überstanden.

Zeit ist stärker als jede Panik.

Und der DAX?

Das gleiche Prinzip gilt auch für den deutschen Markt. Das Deutsche Aktieninstitut zeigt in seinem bekannten "Rendite-Dreieck": Wer den DAX über einen beliebigen 20-Jahres-Zeitraum hielt, kam im Schnitt auf eine Rendite von rund 7 % pro Jahr — bei ähnlich großen Schwankungen wie beim S&P 500.

Der DAX hatte allerdings auch seine eigene Geduldsprobe: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase im Jahr 2000 erreichte der Index sein damaliges Hoch von rund 8.000 Punkten erst 2013 wieder dauerhaft — 13 Jahre Seitwärtsphase, inklusive Finanzkrise 2008 mittendrin. Wer in dieser Zeit stur investiert blieb, wurde danach trotzdem belohnt.


Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Kurzfristig: Chaos

ZeitraumZeitfensterVeränderung
1 Tag16. März 2020-12 %
1 MonatSeptember 2008-9 %

Ein Tag. Ein Monat. Rote Zahlen, Panik, Unsicherheit...

Langfristig: Wachstum

ZeitraumZeitfensterVeränderung
10 Jahre2014–2024+168 %
50 Jahre1975–202566x

Zehn Jahre. Fünfzig Jahre. Grüne Zahlen, Geduld, Vermögen. Je mehr du "rauszoomst", desto klarer siehst du: Langfristig wächst der Markt.

Wie schon in anderen Artikeln erwähnt: Belohnt werden die Geduldigen, die einfach abwarten können.


Was, wenn du zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt investierst?

Stell dir vor, du hast wirklich richtig Pech.

März 2000 — Platzen der Dotcom-Blase

  • Du investierst 10.000 €
  • Der Markt fällt um 50 %
  • Die Finanzkrise 2008 kommt obendrauf
  • Du wartest 13 Jahre

Heute? Über 70.000 €


Oktober 2007 — kurz vor der Finanzkrise

  • Investition von 10.000 €
  • Rückgang um 57 %
  • Erholung dauert 5,5 Jahre

Heute? 45.000 €


Februar 2020 — kurz vor Corona

  • Rückgang um 34 % in wenigen Wochen
  • Erholung in 5 Monaten

Heute? 18.500 €

Selbst der unglücklichste Anleger hat am Ende Geld verdient. Es brauchte nur eines: nicht in Panik geraten.


Der größte Fehler: Verkaufen am Tiefpunkt

All diese Renditen gelten nur für die, die durchgehalten haben.

KriseDurchgehaltenAus Angst verkauft
Dotcom70.000 €5.100 €
200845.000 €4.300 €

Sobald du verkaufst, ist der Verlust endgültig.

Deshalb schrieb Warren Buffett mitten im Absturz von 2008 in der New York Times, seine Regel sei einfach:

"Sei ängstlich, wenn andere gierig sind, und sei gierig, wenn andere ängstlich sind."

— Warren Buffett, "Buy American. I Am.", The New York Times, Oktober 2008 (vollständiger Originaltext)

Solange du nicht verkaufst, hast du keinen Verlust realisiert.


Alles auf einmal investieren oder nach und nach?

Die Daten sprechen eine klare Sprache: Alles auf einmal zu investieren schneidet in 68 % der Fälle besser ab.

Aber...

Regelmäßiges Investieren per Sparplan hat einen großen Vorteil: Seelenfrieden.

Was passt am besten zu dir?

  • Du hast Nerven wie Drahtseile -> investiere sofort
  • Du hast Angst -> verteile es über mehrere Monate
  • Du hast noch keine Ersparnisse -> investiere regelmäßig direkt vom Gehalt

Mehr zu diesem Trade-off findest du in Einmalanlage oder Sparplan? — und was du tun solltest, wenn der Markt gerade fällt, liest du in Was tun, wenn der Markt fällt?.

Die beste Strategie ist die, die du wirklich durchhältst.


Was du dir merken solltest

1. Aktien steigen nicht immer. Rückgänge sind normal. 2. Langfristig wachsen sie trotzdem. Historisch betrachtet, immer. 3. Zeit ist dein größter Verbündeter. 4. Das Schlimmste ist Panik und Verkaufen. 5. Der beste Schritt ist: anfangen und dranbleiben.

Wenn du gerade erst mit dem Investieren startest, findest du eine verständliche Einführung in Investieren einfach erklärt.


Wenn du Fragen hast, schreib mir an dennis.vymer@myfinancialfreedomtracker.com.

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